Flipchart mit den Rollen einer Führungskraft
Wirksam im Arbeitsalltag|Zuletzt aktualisiert am 24.02.2026|13 Minutes

Rollen einer Führungskraft: Zwischen Verantwortung, Erwartung und innerer Klarheit

Im Führungsalltag bewegst du dich permanent zwischen unterschiedlichen Rollen als Führungskraft. Modelle mit 4 oder auch 8 Rollen geben grundsätzlich Orientierung. Sie zeigen aber auch, dass es die perfekte Rolle nicht gibt.

Führung findet immer in Spannungsfeldern statt, zum Beispiel zwischen Stabilität und Veränderung, enger Steuerung und Selbstverantwortung.

Wirksam wirst du dabei nicht durch Perfektion, sondern indem du als Führungskraft ein klares Rollenverständnis entwickelst. Entscheidend ist die Fähigkeit, situativ bewusst zu entscheiden, welche Rolle der Kontext gerade braucht.

Der Schlüssel liegt nicht im „richtig machen“, sondern im bewussten Gestalten.

Täglich jonglierst du mit unterschiedlichen Rollen einer Führungskraft: Mal bist du Expert:in, mal Manager:in oder mal Coach.

Viele Führungskräfte, die ich begleite, fühlen sich hin- und hergerissen: zwischen Erwartungen von oben, den Bedürfnissen des Teams und dem eigenen Anspruch, „es richtig zu machen“. Im Nachhaltigkeitskontext kommen zusätzliche Spannungsfelder hinzu, zum Beispiel kurzfristige Finanzziele gegenüber langfristiger Wirkung.

Kein Wunder also, dass sich früher oder später die Frage stellt: Welche Rolle hat eine Führungskraft eigentlich?

Doch vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung nicht darin, die „richtige“ Rolle zu finden – sondern darin, bewusst zwischen ihnen zu wechseln.

Welche Rollen eine Führungskraft einnimmt – eine erste Einordnung

Es gibt ein verbreitetes und leicht verständliches Modell, das die Rollen einer Führungskraft in vier Grundtypen einteilt:

  • Expert:in: In dieser Rolle bringst du deine fachliche Kompetenz ein. Du triffst Entscheidungen dort, wo dein Wissen besonders gefragt ist, und wirst vom Team als Berater:in hinzugezogen.
  • Manager:in: Hier geht es um Planung, Organisation und Steuerung. Mit klaren Prozessen und Strukturen sorgst du für Qualität und Effizienz.
  • Leader: Mit einer klaren Vision inspirierst und motivierst du dein Team und bringst Bewegung ins Unternehmen.
  • Coach: In dieser Rolle unterstützt du dein Team in der fachlichen und persönlichen Entwicklung. Du stellst Fragen, gibst Feedback und förderst Eigenverantwortung.

Diese Einteilung schafft Orientierung. Doch in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt greift sie häufig zu kurz.

Die 8 Rollen einer Führungskraft nach Quinn – und warum sie Spannungsfelder sichtbar machen

Während das Vier-Rollen-Modell eine erste Orientierung über typische Führungsaufgaben bietet, zeigt das Modell von Robert Quinn dass Führung nie eindimensional ist, sondern immer im Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen Anforderungen stattfindet.

Es verortet Führung dabei zwischen Flexibilität und Stabilität sowie zwischen internem und externem Fokus.

Führungsrollen nach Robert E. Quinn

Die 8 Rollen lassen sich wie folgt beschreiben:

  • Innovator:in (Veränderungstreiber):
    Du bringst neue Ideen ein, hinterfragst Bestehendes, stößt Veränderungen an. Damit stärkst du Anpassungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit. Gleichzeitig erzeugst du damit Unruhe in Zeiten, in denen dein Team vielleicht eher Sicherheit und Orientierung braucht.
  • Vermittler:in (Netzwerker):
    Du baust ein Netzwerk auf, sicherst Ressourcen und positionierst dein Team im Unternehmen oder nach außen. Das Risiko dabei: Zeit und Aufmerksamkeit fließen stark ins Externe und fehlen dir möglicherweise in der direkten Teamführung.
  • Produzent:in (Ergebnistreiber):
    Du setzt klare Ziele und bringst Projekte konsequent zum Abschluss. Das schafft Verbindlichkeit und Tempo. Wird die Ergebnisorientierung jedoch zu dominant, kann der Blick für die Teambedürfnisse und mögliche Überlastungen verloren gehen.
  • Regisseur:in (Strategiearchitekt):
    Du entwickelst Strategien, definierst klare Ziele, setzt Prioritäten und klärst Verantwortlichkeiten. Dadurch gibst du deinem Team Orientierung und Struktur. Gleichzeitig läufst du damit Gefahr, die Eigeninitiative und Kreativität deines Teams einzuschränken und Potenziale ungenutzt zu lassen.
  • Koordinator:in (Strukturgeber):
    Du sorgst für klare Abläufe, stabile Prozesse und verlässliche Standards. Das gibt Sicherheit und Orientierung. In dynamischen Kontexten kann starkes Strukturdenken jedoch notwendige Flexibilität und Experimentierfreude bremsen.
  • Kontrolleur:in (Qualitätswächter):
    Du prüfst Ergebnisse, analysierst Daten und stellst Qualität sicher. Damit schützt du vor blindem Aktionismus. Wird die Kontrolle jedoch zu dominant, kann Misstrauen entstehen und notwendige Geschwindigkeit verloren gehen.
  • Facilitator:in (Teammoderator):
    Du förderst Zusammenarbeit, moderierst Diskussionen und stärkst Selbstverantwortung. Das erhöht Anpassungsfähigkeit und Teamreife. In Situationen, in denen klare Entscheidungen gefragt sind, kann ein stark moderierender Stil jedoch als Führungsschwäche wahrgenommen werden.
  • Mentor:in (Entwicklungsbegleiter):
    Du investierst in die persönliche und fachliche Entwicklung deines Teams. Damit stärkst du langfristig die Kompetenz, Motivation und Bindung. In akuten Leistungsphasen kann diese Entwicklungsorientierung jedoch als zu wenig ergebnisfokussiert erlebt werden.

Die 8 Rollen einer Führungskraft auf einen Blick

  • Innovator – Veränderung anstoßen
  • Vermittler – Netzwerke und Ressourcen sichern
  • Produzent – Ergebnisse liefern
  • Regisseur – Richtung und Ziele klären
  • Koordinator – Struktur und Stabilität geben
  • Kontrolleur – Qualität sichern
  • Facilitator – Zusammenarbeit fördern
  • Mentor – Entwicklung ermöglichen

Entscheidend ist nicht, alle Rollen perfekt zu beherrschen – sondern zu wissen, wann welche Rolle gebraucht wird.

Rollenverständnis als Führungskraft: Wirksamkeit entsteht im Spannungsfeld

Ohne ein klares Rollenverständnis als Führungskraft wird Wirksamkeit schnell zufällig.

Dabei ist nicht entscheidend, ob du eine Rolle perfekt ausfüllst oder möglichst flexibel zwischen den Rollen zu springst.

Viel wichtiger ist, ob du dein Rollenverhalten so gestaltest, dass du im jeweiligen Kontext wirklich wirksam bist.

In komplexen Arbeitsumfeldern wirken unterschiedliche Erwartungen gleichzeitig auf dich ein: strategische Zielvorgaben von oben, operative Anforderungen im Tagesgeschäft, Teamdynamiken, die ausbalanciert werden müssen, und externe Rahmenbedingungen, die sich kontinuierlich verändern.

Damit ist klar: Wirksamkeit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch ein klares Verständnis des jeweiligen Kontextes.

Zwei typische Zielkonflikte im Führungsalltag

Vielleicht kommt dir eine der folgenden Situationen bekannt vor:

Raum geben oder entscheiden

Du möchtest dein Team darin stärken, dass es eigene Lösungen entwickelt. Daher stellst du eher Fragen und moderierst Diskussionen, statt Anweisungen zu geben. Du selbst hältst dich bewusst zurück. Auf der anderen Seite wächst der Druck deiner eigenen Führungskraft: du musst schnelle Entscheidungen treffen und Ergebnisse liefern.

Du bewegst dich im Spannungsfeld zwischen Entwicklungsorientierung und Ergebnisverantwortung.

Bleibst du zu lange im Moderator-Stil, kann das womöglich Fragen bei deinen Vorgesetzten aufwerfen. Entscheidest du jedoch zu früh selbst, nimmst du deinem Team Verantwortung wieder ab, die du eigentlich dort lassen wolltest.

Deine Herausforderung ist also nicht, ob du die Rolle wechseln solltest, sondern wann.

 

Veränderung treiben oder Stabilität sichern?

Wenn du in dynamischen Arbeitsbedingungen (z.B. in Transformationsthemen oder Nachhaltigkeitsprojekten) unterwegs bist, sind die Erwartungen an dich: Neues anzustoßen, Bestehendes zu hinterfragen und mutige Schritte zu gehen.

Andererseits braucht dein Team Orientierung, Verlässlichkeit und eine gewisse Struktur.

Wenn du zu viel Veränderungsdruck in das Team gibst, erzeugst du schnell Widerstand. Fokussierst du dich hingegen zu stark auf Stabilität, verhinderst du eine notwendige Vorwärtsentwicklung.

Dein Dilemma: Du kannst nicht beides maximieren. Du kannst nur bewusst ausbalancieren.

Es wird deutlich: in komplexen Systemen lassen sich diese Spannungen nicht auflösen. Sie müssen erkannt, ausgehalten und bewusst gestaltet werden.

Typische Spannungsfelder wirksamer Führung

  • Entwicklungsorientierung ↔ Ergebnisverantwortung
  • Veränderung ↔ Stabilität
  • Nähe ↔ Distanz
  • Orientierung ↔ Freiraum

Führung bedeutet nicht, einen Pol zu wählen – sondern bewusst zu balancieren.

Kontext entscheidet über deine Wirksamkeit

Welche unterschiedliche Wirkungen Rollen haben können, zeigt sich nicht nur in den unterschiedlichen Kontexten in einem Unternehmen, sondern auch in welchem grundsätzlichen „System“ sie angewendet werden.

Mir selbst sind die Wirkungen der unterschiedlichen Rollen ganz besonders bewusst geworden, als ich anfing, in meiner Freizeit Wanderungen zu leiten.

Als Führungskraft war ich es gewohnt, viel in den Rollen „Manager“ und „Coach“ bzw. „Mentor“ und „Facilitator“ aktiv zu sein. Das passte zu meiner Persönlichkeit und der Unternehmenskultur. Man erwartete von den Teams ein eigenverantwortliches Handeln und war überzeugt, dass die Experten in den Teams und nicht im Management sitzen.

Als Wanderleiterin bin ich dagegen stark in der Rolle „Experte“ und „Leader“ bzw. „Koordinator“ und „Produzent“ unterwegs. Denn die Teilnehmer kommen meistens mit der Erwartungshaltung, dass sie sich um nichts kümmern müssen, ihre Verantwortung „abgeben“ und nur teilnehmen müssen. Die komplette Planung, Risikoeinschätzung, Tourenleitung mit Blick auf die Wegbeschaffenheit, das Wetter und das Fitnesslevel der Teilnehmer obliegt mir.

Das verdeutlicht, wie stark das System die Erwartungen – und damit die Rolle der Führungskraft – verändert.

Nur, wenn die eingesetzten Rollen zum System passen, kann Wirkung entstehen.

Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Rollen als Führungskraft braucht der Kontext gerade – und bist du bereit, sie bewusst einzunehmen?

Wie findest du deinen passenden Rollen-Mix?

Du fragst dich jetzt vielleicht zurecht: was mache ich dann konkret, wenn ich die Spannungen überhaupt nicht auflösen kann? Und was heißt das, bewusst mit ihnen umzugehen?

Unterschiedliche Erwartungen spielen eine Rolle, doch das ist noch nicht alles.

Denn auch die Unternehmenskultur und persönlichen Präferenzen prägen deine Rollen als Führungskraft. Es ist ganz natürlich, dass du dich in bestimmten Rollen wohler fühlst als in anderen.

Gerade deshalb lohnt sich regelmäßige Reflexion.

Reflexionsfragen für dein Rollenverständnis als Führungskraft

  • In welcher Rolle bewege ich mich aktuell besonders häufig?
  • Welche Rolle erwartet mein Umfeld gerade von mir?
  • Welche Rolle vermeide ich – obwohl sie notwendig wäre?
  • Woran mache ich fest, dass ich eine bestimmte Rolle einnehme: Erwartungshaltungen, persönliche Präferenzen oder passend zum Kontext?
  • Welche Wirkung erzeuge ich mit meinem aktuellen Rollenverhalten?

Rollenbewusstsein ist der erste Schritt zu wirksamer Führung.

Ein Reflexionstagebuch kann helfen, diese Muster sichtbar zu machen. Notiere über einige Wochen hinweg, welche Rolle du einnimmst, wie es dir damit geht und welche Reaktionen du beobachtest.

Vielleicht hilft dir auch das Bild eines „gedanklichen Hutes“, den du bewusst aufsetzt – statt automatisch in vertraute Muster zu rutschen.

Vorlage Reflexionstagebuch für Rollen als Führungskraft

Führung heißt nicht Rollen erfüllen – sondern Wirksamkeit gestalten

Fassen wir nochmal zusammen:

Die Rollen einer Führungskraft sind keine starren Identitäten, sondern Werkzeuge.
Je nach Kontext, Erwartungen und System müssen sie unterschiedlich gewichtet werden.

Führung zeigt sich nicht darin, Spannungen aufzulösen, sondern darin, sie auszuhalten und aktiv zu gestalten.

Wie eng Rollenbewusstsein und Selbstführung miteinander verbunden sind, habe ich im Artikel zur Selbstführung ausführlicher beschrieben.

Wenn dir in der Arbeitskomplexität die Ruhe und Klarheit fehlen, um diese Spannungen bewusst zu reflektieren, und du spürst, dass du mit deinen Rollen nicht die gewünschte Wirkung erzielst, kann ein Coaching hilfreich sein.

Wenn du magst, lass uns in einem kostenlosen und unverbindlichen Wegweiser-Gespräch gemeinsam prüfen, welcher nächste Schritt sinnvoll für dich sein kann.

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Ich binChristiane...

Ich bin Christiane …
… mich begeistert es, Menschen dabei zu unterstützen, mehr Klarheit, Orientierung und innere Stärke zu gewinnen.

In meinem Blog teile ich Gedanken, Impulse und Perspektiven für Führungskräfte, Unternehmer:innen sowie Projekt- und Nachhaltigkeitsmanager:innen, die nachhaltige Transformation gestalten und in einem komplexen Umfeld hohe Verantwortung tragen.

Mir ist wichtig, dass Veränderung nicht auf Kosten deiner Kraft geht. Ich möchte, dass du handlungsfähig und deinen Werten treu bleibst – und dich selbst dabei nicht verlierst.

Ich begleite dich mit Empathie, Wertschätzung und einer klaren, ruhigen Haltung, damit nachhaltige Wirksamkeit aus innerer Klarheit entstehen kann.

Wenn du wissen möchtest, wie ich arbeite und was meine Haltung prägt, erfährst du hier mehr über mich.

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