Unser Wirtschaftssystem belohnt die falschen Entscheidungen. Nachhaltige Geschäftsmodelle zeigen einen anderen Weg.
Spülmaschine kaputt und sogleich den Reparaturdienst beauftragt. Und direkt am nächsten Tag, schon wieder eine Fehlermeldung. Also nochmal repariert, jedoch auch das ohne den erhofften Erfolg. Noch eine Reparatur? Wäre viel zu teuer geworden. Das Ende vom Lied: wir haben eine neue Spülmaschine gekauft und im Endeffekt ganz schön viel Geld bezahlt. Was war unser Learning als dann 2 Jahre später der Kühlschrank kaputt ging? Klar, direkt einen neuen gekauft. Nein, nicht ganz sofort. Wir haben zumindest mal eine Kostenschätzung für eine Reparatur machen lassen. Mein Nachhaltigkeitsgewissen lies es nicht zu, direkt auf Neukauf zu gehen. Aber nach der Kostenschätzung fiel die Entscheidung eindeutig auf „neu kaufen“.
Was mich ärgert und beschäftigt: ich möchte grundsätzlich nachhaltig handeln und es fühlt sich absolut verkehrt an, Elektroschrott zu produzieren. Aber: Auch wenn ich bereit bin für Nachhaltigkeit etwas mehr zu zahlen, muss auch ich mit meinem Geld wirtschaftlich handeln.
Mir wurde dabei klar: Das Problem liegt oft gar nicht an unserem Willen, sondern an einem Wirtschaftssystem, das nachhaltige Entscheidungen häufig unattraktiv macht.
Nachhaltige Geschäftsmodelle: Die Kerngedanken auf einen Blick
Nachhaltigkeit betrifft längst nicht mehr nur das Klima. Bereits sieben der neun planetaren Grenzen sind überschritten, gleichzeitig wächst die soziale Ungleichheit.
Die Ursache liegt nicht in fehlendem Willen oder mangelndem Bewusstsein. Sondern in einem Wirtschaftssystem, das im Kern nur eine einzige Zahl kennt: Gewinnmaximierung. Dabei steht in unseren eigenen demokratischen Verfassungen etwas anderes: dass Eigentum und Wirtschaft dem Gemeinwohl dienen sollen.
Dass eine andere Art des Wirtschaftens funktioniert, beweisen bereits heute Pionierunternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen. Sie arbeiten wertorientiert und sind wirtschaftlich erfolgreich. Der Weg dorthin beginnt weder mit Perfektion noch mit einem fertigen System, sondern mit der eigenen Haltung, egal ob als Unternehmer oder Angestellte:r.
Inhaltsverzeichnis
- Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz
- Planetare Grenzen statt CO2-Tunnelblick
- Ein System, das nur eine Zahl kennt
- Andere Kennzahlen, andere Wirtschaft
- Nachhaltige Geschäftsmodelle funktionieren bereits
- Nachhaltiges Wirtschaften ist keine Ideologie
- Nachhaltiger wirtschaften beginnt mit deiner Haltung
Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz
Betrachten wir die Entwicklung unseres Wirtschaftssystems in den letzten Jahrzenten wird immer mehr deutlich, dass dieses auf Kosten der Ökologie und dem Sozialen geht. Genau das Gegenteil von Nachhaltigkeit, dessen Prinzip darauf abzielt, die Bedürfnisse der Gegenwart zu erfüllen, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken (eine Definition, die ursprünglich aus der Forstwirtschaft im 18. Jahrhundert stammt).
Planetare Grenzen statt CO2-Tunnelblick
Wir denken bei Nachhaltigkeit jedoch häufig nur an die ökologische Dimension, der wiederum oft mit CO2 Reduktion gleichgesetzt wird.
Dass ein CO2 Fokus deutlich zu kurz gegriffen ist, zeigt das Modell der planetaren Grenzen. In Summe sind es 9 Stück und 7 davon haben wir bereits überschritten und die Überschreitung nimmt an Geschwindigkeit deutlich zu.
Das Modell der planetaren Grenzen
- Klimawandel: globale Erderwärmung durch CO2
- Einbringung neuartiger Substanzen: dazu gehören Mikroplastik, Chemikalien oder Pestizide, die die Umwelt belasten
- Abbau der Ozonschicht: Wird die Ozonschicht dünner, verliert sie den Schutz vor gefährlicher ultravioletter Strahlung
- Luftverschmutzung / Aerosolbelastung: Ausstoß von kleinen Partikeln in die Atmosphäre wie etwa Ruß mit negativen Folgen für die menschliche Gesundheit
- Ozeanversauerung: Reduktion des pH-Werts der Ozeane durch die Aufnahme von CO2 aus der Atmosphäre mit negativen Auswirkung auf das Ökosystem Meer
- Veränderung in biogeochemischen Kreisläufen: Negativer Einfluss von Stickstoff und Phosphor auf die Ökospähre
- Veränderung in Süßwassersystemen: Übernutzung und Verschmutzung der globalen Süßwasserressourcen
- Landnutzung: Umwandlung von Wäldern mit ihren Ökosystemen für Landwirtschaft oder Siedlungsbau
- Integrität der Biosphäre: Zerstörung von Ökosystemen und Artensterben
Die Auswirkungen unseres Umgangs mit dem Planeten kennen Wissenschaftler schon lange. Wir als „Otto-Normal-Verbraucher“ hören und lesen davon und merken erste Auswirkungen bereits selbst:
- Die fehlenden Insekten, die nach langen Autofahrten auf der Windschutzscheibe kleben
- Die abgestorbenen Fichtenwälder, die der Borkenkäfer zu Nichte gemacht hat
- Zunehmende Waldbrände in den südlichen Ferienländern,
- Die häufigeren Hitzewellen im Sommer auch bei uns
Und dennoch, viele Probleme sind uns noch nicht präsent genug:
- Das Plastikproblem in den Meeren, kennt nur, wer Berichte und Dokumentationen sieht.
- Die Menschenrechtsprobleme in der Lieferkette, kennen wir, aber sie fühlen sich oft so weit weg an. Z.B. die Kinderarbeit in den Minen, um Rohstoffe für unsere Elektronikprodukte zu gewinnen
- Der Wasserverbrauch für unsere Kleidung: ca. 8.000 Liter für eine Jeans, da denkt kaum jemand dran, beim Griff in den Kleiderschrank
Wenn Menschen zum Kostenfaktor werden
Negative soziale Auswirkungen zeigen sich nicht nur in Drittländern (Stichwort Arbeitsbedingungen in den Lieferketten), sondern auch konkret bei uns:
- die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander:
Laut Oxfam Berechnungen besitzt in Deutschland im Durchschnitt ein Mensch aus dem reichsten Prozent 800-mal mehr Vermögen als eine Person, die den ärmsten 50 Prozent an gehört. Die ärmere Hälfte besitzt insgesamt nur 3,4 Prozent des Gesamtvermögens, das reichste Prozent 27,7 Prozent. - aus Effizienz und Kostengründen werden zunehmend Arbeitskräfte durch Maschinen und KI ersetzt
- eine zunehmende Arbeitsverdichtung: immer mehr Aufgaben sollen mit immer weniger Zeit umgesetzt werden, weil Personal eingespart wird
Alles Symptome eines Systems, das Menschen und Natur in erster Linie als Kostenfaktor betrachtet – und genau da lohnt sich die Frage: Wie ist es eigentlich dazu gekommen?
Ein System, das nur eine Zahl kennt
Wenn Unternehmen und ganze Volkswirtschaften nur nach einer Zahl gesteuert werden (Gewinn bzw. BIP) sind ökologische und soziale Nachteile keine Ausnahme. Sie sind die logische Folge.
Überraschen sollte uns diese Entwicklung eigentlich nicht.. Schließlich wird die komplette Wirtschaft im Wesentlichen nach einer einzigen Kennzahl gesteuert: Gewinnmaximierung – und das nicht nur, um Gewinne zu reinvestieren, sondern um Investor:innen (noch) reicher zu machen. Auch die Gesamtwirtschaft eines Landes wird in erster Linie am Bruttoinlandsprodukt gemessen. Diese Verschiebung hin zu einem stärker gewinn- und wettbewerbsorientierten Wirtschaften lässt sich vor allem seit den 1990er-Jahren beobachten – eine Zeit, in der internationale Konkurrenz und marktliberale Prinzipien zunehmend Vorrang vor anderen Zielen bekamen.
Lange Zeit wurde Nachhaltigkeit über das Drei-Säulen-Modell gedacht: Wirtschaft, Umwelt und Soziales als drei gleichberechtigte Bereiche, die im Einklang stehen sollen. Das Problem dabei: Wenn man die drei Säulen getrennt betrachtet, entstehen schnell Zielkonflikte – als müsste man zwischen ihnen abwägen, statt sie zusammenzudenken.
Ein systemischer Ansatz setzt genau hier an: Er versteht Wirtschaft nicht als eigenständige Säule neben Umwelt und Gesellschaft, sondern als etwas, das innerhalb dieser beiden stattfindet – abhängig von ihnen, nicht gleichrangig neben ihnen.
Warum das 3-Säulen-Modell oft zu kurz greift
Genau das passiert aber in der Praxis kaum. Wer sein Unternehmen weiterhin so führt, als wäre Wirtschaft eine eigene, von Ökologie und Sozialem losgelöste Säule, wird sich meistens für die Optionen entscheiden, die am gewinnbringendsten sind – und das bedeutet nicht selten ökologische und soziale Nachteile.
Um nur 2 Beispiele zu nennen:
- Handys, die nur schwer und teuer reparierbar sind und irgendwann ausgedient haben, weil sie nach wenigen Jahren kaputt gehen oder es gar keine Software-Updates mehr für sie gibt. Den Handyherstellern bringt das regelmäßig guten neuen Umsatz und Gewinn, der Umwelt jedoch eine Menge Elektroschrott.
- Die Zustände in der Fast-Fashion Industrie kennt jeder. Schnelllebige und möglichst günstige Mode, ermöglicht durch günstige Arbeitskräfte in Asien, deren Arbeitsschutz und Menschenwürde häufig nicht gewahrt werden.
Diese Beispiele zeigen: Wirtschaftlicher Erfolg lässt sich nicht isoliert von Ökologie und Sozialem messen. Aber wonach dann?
Andere Kennzahlen, andere Wirtschaft
Bevor es um Messbarkeit geht, steht eine einfachere Frage: Was ist der Zweck deines Unternehmens, wenn Geld nur Mittel zum Zweck ist – und nicht das Ziel selbst?
Schauen wir in diverse demokratische Verfassungen an, sieht man dort verankert, dass Wirtschaft dem Gemeinwohl dienen soll (z.B. Artikel 14 aus dem Grundgesetz Deutschland, der besagt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“)
Damit ist klar, dass Geld eigentlich nur Mittel zum Zweck ist.
Und so stellt sich die entscheidende Frage: Welchen wirklichen Zweck hat dein Unternehmen?
Hast du sie dir schon einmal gestellt?
Es bleibt da natürlich die Frage: ja, aber wie soll ich das denn messen? Es gibt Ansätze dafür, z.B. von der Gemeinwohl-Ökomomie. Aber bevor die Frage nach dem Messen kommst, steht die Grundsatzfrage deiner Haltung: was ist dir wichtig? Was ist deine oberste Maxime für dein Unternehmen? Und nach welchen Werten steuerst du das Unternehmen? Wenn dir eine Werteorientierung wichtig ist, kann dir das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie ein hilfreiches Konzept sein.
Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein innovatives, nachhaltiges Wirtschaftsmodell mit dem Ziel einer ethischen Wirtschaftskultur. Als Alternative zum gegenwärtigen Wirtschaftsverständnis baut sie auf den Werten Menschenwürde, ökologische Verantwortung, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, demokratische Mitbestimmung und Transparenz auf.
Nachhaltige Geschäftsmodelle funktionieren bereits
Dass eine wertorientierte und nachhaltige Art des Wirtschaftens funktioniert, beweisen bereits einige Pionierunternehmen, die nicht nur der Start-up Szene angehören.
Ganz besonders angetan bin ich von folgenden Unternehmen, die ich auf Veranstaltungen kennenlernen durfte und ihre Leidenschaft für eine andere Art des Wirtschaftens regelrecht spüren konnte.
Vaude produziert Outdoorkleidung und versteht die Gemeinwohlorientierung als wichtigen Baustein in der Unternehmensführung. Bei ihnen spielt nicht nur die Nachhaltigkeit in den Produkten (z.B. mit hohem Recyclinganteil und Reparierbarkeit) eine Rolle, sondern sie achten auch auf faire und umweltfreundliche Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dass Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit keine Zielkonflikte sind, beweisen die Ergebnisse: Seit 2019 stieg der Umsatz um 27% während die Emissionen um 40 % reduziert wurden ((Status VAUDE Nachhaltigkeitsbericht – Nachhaltigkeitsbericht)
Shift: Der hessische Hersteller von Handys und Laptops setzt konsequent auf Zirkularität und führt das Unternehmen extrem werteorientiert. Das Motto „Do as much good as we can while doing as little damage as possible“ ist nicht nur ein schöner Claim, sondern es wird voll und ganz gelebt.
Wetell macht Mobilfunkt, um Nachhaltigkeit voranzutreiben und maximiert das Gemeinwohl statt Profit. Der Geschäftsführer Nico Tucher sagte auf dem Bloom Zukunftsforum 2026: „Am Ende deines Lebens zählst du auch keinen Geldbetrag auf, wenn du gefragt wirst, was du erreicht hast. Das gleiche sollte für Unternehmenserfolg gelten.“ Bei wetell steht der Mensch ganz klar im Mittelpunkt: ruft eine Kunde bei ihnen an, wird er mit einem echten Menschen sprechen, der ihn ernst nimmt und nicht mit einer KI.
Prior1 baut Rechenzentren und das möglichst nachhaltig. Das Ergebnis? Mit ihrem Geschäftsmodell sind sie attraktiver Arbeitgeber: ein sehr geringer Krankenstand von 1,1%, Dauer bis zu einer Stellenbesetzung von nur 30-45 Tage (und das in der Baubranche, wo es häufig deutlich über 100 Tage dauert). Fachkräftemangel kennt man bei Prior1 nicht. (Daten aus dem Jahr 2026 genannt beim Vortrag auf dem Bloom Zukunftsforum 2026)
Nachhaltiges Wirtschaften ist keine Ideologie
Wer sich diese Unternehmen näher anschaut, wird sofort sehen, dass es nicht um „kommunisitsche Ansätze“ geht. Nein, es ist einfach eine FAIRE Marktwirtschaft, so wie sie ursprünglich gedacht war und im Sinne der demokratischen Verfassungen sind.
Wirtschaftliche Zahlen sind hier genauso relevant, sie dienen jedoch im Wesentlichen für die Reinvestition und Ausbau/Verbesserung des Unternehmenszwecks und nicht der Bereicherung von Management und Shareholdern.
Nachhaltiger wirtschaften beginnt mit deiner Haltung
Du denkst jetzt vielleicht: Das klingt alles schlüssig. Aber was bedeutet das ganz konkret für mich?
Eines ist klar: Die Unternehmen, die heute neue Wege gehen, sind dort nicht über Nacht angekommen. Was sie verbindet, ist nicht Perfektion, sondern eine klare Haltung und der Mut, Entscheidungen anders zu treffen.
Dabei spielt es keine Rolle, ob du Unternehmer:in bist oder als Fach- oder Führungskraft die nachhaltige Transformation in einem Unternehmen mitgestaltest. Veränderung beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und den ersten Schritt gehen.
Vielleicht kannst du das Wirtschaftssystem nicht allein verändern. Aber du kannst beeinflussen, wie Entscheidungen in deinem Umfeld getroffen werden. Du kannst Fragen stellen, Impulse geben, Werte vertreten und andere für neue Wege begeistern.
Es geht nicht darum, perfekt zu sein oder sofort alles zu verändern. Es geht darum, dir bewusst zu machen, wofür du stehst und welchen Beitrag du leisten möchtest. Genau dort beginnt nachhaltigeres Wirtschaften: mit deiner Haltung.
Wenn du dir auf diesem Weg mehr Klarheit, Mut oder Orientierung wünschst, begleite ich dich gerne dabei. In einem unverbindlichen Wegweiser-Gespräch schauen wir gemeinsam, welche nächsten Schritte für deine Situation sinnvoll sind.
Ich binChristiane
Als Business- und Naturcoach begleite ich Fach- und Führungskräfte sowie Unternehmer:innen, die Verantwortung für Wandel tragen – und dabei nicht nur funktionieren, sondern wirklich wirksam bleiben wollen.
In diesem Blog teile ich Impulse und Perspektiven für Menschen, die in einem komplexen Umfeld gestalten und einen Weg suchen, der langfristig trägt: für sie selbst, ihr Team und ihr Unternehmen.
Viel Spaß beim Lesen!



